Donnerstag, 25. November 2021
In diesem letzten Beitrag der Reihe zu ihrer Geschichte befassen wir uns mit der Gegenwart der deutschen, österreichischen und südtiroler Comboni-Missionare und mit ihrer Perspektive für die Zukunft. [Im Bild: Comboni-Missionare in Ellwangen, Deutschland
]

Von links, P. Hubert Grabmann und P. Reinhold Baumann

Im September dieses Jahres hätte in Rom das 19. Generalkapitel der Comboni-Missionare stattfinden sollen. Wegen der Corona-Pandemie ist es verschoben worden. Beim Generalkapitel werden auch der Generalobere und sein vierköpfiges Beraterteam gewählt. Seit zwölf Jahren ist der Generalobere kein Europäer mehr. Seit sechs Jahren ist es Pater Tesfaye Tadesse Gebreselassie aus Äthiopien. Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre ein Afrikaner als Generaloberer kaum denkbar, für manche vielleicht ein Alptraum gewesen. Für Daniel Comboni wäre ein Traum in Erfüllung gegangen.

Comboni-Missionare in Ellwangen, Deutschland.

Auch sonst stehen wir mitten in einem Wandel: Heute werden fast alle Ordensprovinzen der Comboni-Missionare, auch die afrikanischen, von Einheimischen geleitet. Ein deutscher oder auch italienischer Missionar, der in Uganda arbeitet, untersteht also dem ugandischen Provinzoberen, und in der Seelsorge hat er sich an die vom ugandischen Ortsbischof gegebenen Richtlinien zu halten. Das Gleiche gilt für fast alle Einsatzorte in der Welt. Man spricht heute auch nicht mehr von Missionsgebieten, sondern von der Ortskirche, und nur in den seltensten Fällen ist der Bischof ein Europäer. Wie zum Beispiel in der Diözese Rumbek im Südsudan, wo keiner der beiden großen Stämme einen Bischof aus dem anderen Stamm akzeptierte. Hier entschied sich Rom für einen neutralen Kandidaten, einen Comboni-Missionar aus Italien. In allen nichteuropäischen Provinzen sind die Europäer inzwischen eine Minderheit.

In der Gesamtkongregation sind die Europäer zwar immer noch in der Mehrheit, aber nur aufgrund der vielen alten Mitbrüder. Fast alle jüngeren kommen aus den früheren „Missionsgebieten“ und hier vor allem aus Afrika.

Wie geht es weiter?

Schauen wir auf unsere deutschsprachige Comboni-Provinz: Wer die Augen nicht verschließt, kann es ganz klar sehen. Wir werden weniger und immer älter, ja sehr alt. Aus dem deutschen Sprachraum stammen noch 58 Mitglieder, ihr Altersdurchschnitt ist 75 Jahre. In den anderen europäischen und der nordamerikanischen Provinz ist der Altersdurchschnitt nicht wesentlich geringer, vielleicht um zehn Jahre.

Weitaus die meisten der gegenwärtig 185 jungen Theologiestudenten (Scholastiker) der Kongregation kommen aus Afrika. Allein aus der Provinz Togo-Benin bereiten sich zurzeit 28 junge Menschen auf die Priesterweihe vor, aus der Provinz Kongo sind es 35. Aus ganz Lateinamerika und Asien kommen 14, aus Europa kommt derzeit kein einziger. Folgerichtig sind auch fast alle Studienhäuser (Scholastikate) der Kongregation im Süden der Erde, in Afrika und Lateinamerika, konkret in Asmara (Eritrea), Cape Coast (Ghana), Kinshasa (Kongo), Nairobi (Kenia), Pietermaritzburg (Südafrika) sowie in São Paulo (Brasilien) und in Lima (Peru). In Europa ist nur noch eines bei Neapel in Italien, und auch in diesem stammt die Mehrzahl der Studierenden wiederum aus Afrika.

In wenigen Jahren wird die Kongregation ein ganz anderes äußeres Erscheinungsbild abgeben. Doch auch im Innern wird sich vieles ändern. Noch sind Spiritualität, Lebensstil, auch die Verwaltung und etwa die Prioritäten im Umgang mit Geld usw. von europäischen Mustern und Erfahrungen geprägt. Aber auch das wird sich ändern. Die junge Generation der Kongregation wird sicher viel von der Erfahrung und der Tradition ihrer europäischen Veteranen mitnehmen und integrieren, aber auch eigene Akzente setzen. Die Zukunft gehört ihnen, und neue Zeiten verlangen auch neue Lösungen. Die Welt und auch die Kirche und das Verständnis von Mission sind heute anders als zu Zeiten von Daniel Comboni.

Comboni-Missionare in Ellwangen, Deutschland.

Was wir erwarten

Das kommende Generalkapitel wird entscheiden müssen, ob die bisher sechs europäischen Ordensprovinzen beibehalten oder in eine oder zwei zusammengefasst werden. Dann würde es keine eigene Deutschsprachige Provinz mehr geben. Wichtiger als die Reform der äußeren Struktur wird aber sein, dass wir uns immer mehr als eine einzige Familie verstehen, deren Mitglieder sich gegenseitig helfen und voneinander lernen.

Zum Thema gegenseitig helfen: Die afrikanischen und lateinamerikanischen Provinzen haben junge Leute, aber wenig materielle Mittel. Die europäischen Provinzen haben immer weniger Leute, dafür aber meist einen größeren Freundeskreis. Schon jetzt geben diese Provinzen, auch die deutschsprachige, beträchtliche Mittel vor allem für die Ausbildung der Mitbrüder in Afrika, und dieses Geld ist sehr sinnvoll eingesetzt.

Zum Thema voneinander lernen: Fast alle Missionare können sagen, dass sie bereichert an Erfahrung auf ihre Jahre in Übersee zurückblicken. Wenn sie dann wieder in ihrer Heimat tätig sind, werden sie aus dieser Erfahrung heraus ihre eigenen Akzente setzen. Ebenso kann ein Priester mit einer theologischen Ausbildung an einer europäischen Hochschule oder mit einigen Jahren in der Seelsorge in Europa eine Bereicherung für die Kirche in Afrika sein. Wenn ein afrikanischer Priester zu uns kommt, geht es also nicht zuerst um Ersatz für fehlende deutsche Priester, sondern um ein gegenseitiges Voneinanderlernen. Missionsorden sehen sich heute vor allem als weltkirchliches Element in ihrer jeweiligen Ortskirche. So können sie zum Beispiel auch eine Mittlerfunktion haben beim internationalen kirchlichen Jugendaustausch, etwa wenn sie Missionarinnen und Missionaren auf Zeit einen Einsatz in einem fremden Land ermöglichen. Deswegen sind auch wir deutschsprachige Comboni-Missionare bestrebt, die nötigen Niederlassungen dafür zu erhalten, wenn auch mit immer mehr Mitbrüdern aus anderen Regionen der Welt.

Und noch etwas: Gegenwärtig kommen viele Menschen aus Afrika und anderen Teilen der Welt nach Europa, sei es als Flüchtlinge oder aus anderen Gründen. Oft tun sie sich schwer bei uns oder vielmehr, wir Europäer tun uns schwer im Umgang mit ihnen. Als Missionare, die zum Teil viele Jahre in ihren Ländern gelebt haben und dort meist herzlich aufgenommen worden sind, sehen wir es als unsere Aufgabe, mitzuhelfen, dass sie sich bei uns ebenso angenommen wissen. Wir wollen Brücke und Mittler sein zwischen Völkern und Kulturen.

Alles in allem: Die Welt und auch die Kirche stehen in einem Prozess der Veränderung, und wir Comboni-Missionare machen da keine Ausnahme. Altes vergeht und Neues entsteht.
P. Reinhold Baumann
Comboni-Missionar